Eher durch Glück im Unglück bin ich zu einem Smart cdi 451 der letzten Baureihe von Ende 2012 gekommen. Der war eigentlich für meinen Sohn gedacht, um damit kostengünstig ab Sept. 2023 ~50 km einfacher Weg in die Ausbildungsstätte fahren zu können. Es sollte unbedingt ein (Halb)Automatik sein und so fiel die Wahl auf einen kleinen Diesel. Wie sich herausstellte, gab es nur wenige Angebote eines Smart cdi 451 unter 100.000 km Laufleistung und so waren wir froh von privat einen 451er cdi mit 99.000 km ganz in unserer Nähe anschaffen zu können. Für 4.000 € wechselte das Fahrzeug den Besitzer. TÜV war neu gemacht und auch sonst schien der Wagen regelmäßig gewartet worden zu sein. 8 Jahre fuhr der Vorbesitzer das Fahrzeug. Zu diesem Zeitpunkt dachte ich (wir) noch einen sehr guten Kauf gemacht zu haben, auch wenn es nur ein 451 cdi in der einfachsten PURE Ausstattung ist. Zu Hause mit dem Wagen angekommen habe ich dann aber doch noch einen Service gemacht, wo mir gleich auffiel, dass im Kühlwasservorratsbehälter nichts mehr drin war. Ich rief sogleich den Verkäufer an, ob mir da womöglich etwas verschwiegen wurde. Mir wurde versichert, ihm sind keine Probleme bekannt, was aber, wie sich erst später herausstellen sollte, wohl gelogen sein musste. Nach ~1000 gefahrenen km war es dann so weit: Der Motor lief offensichtlich nur noch auf einem oder 2 Zylindern und wackelte und schüttelte sich 1-2min lang. Fing sich dann aber wieder ein und lief ganz normal. Ich postete das Problem Anfang November 2023 im SMART Forum, wo mir aber zuerst auch keine konkrete Lösung zum geschilderten Problem angeboten werden konnte. Mein Sohn fuhr den Wagen dann noch bis etwa Dezember 2023, bis sich der Wagen dann gar nicht mehr starten ließ. Ich schleppte den Wagen zu MB in Calw, die mir dann noch 300 € berechnen mussten für die Diagnose, dass Zylinder 1 & 2 keine Kompression mehr hätten. Darauf hin schleppte ich den Wagen zu mir in den Garten und stellte ihn überdacht erst einmal ab, um dann zu überlegen, was mit dem kaputten Motor bzw. Fahrzeug passieren soll. Ich erstattete meinem Sohn den vollen Kaufbetrag und so blieb der Wagen ~15 Monate stehen, ohne dass sich eine Lösung angeboten hat.
Anfang 2025 jedoch trat ich meinen Vorruhestand an, der mir durch außerordentlich glückliche Umstände zuflog. Nicht mehr jeden Tag ~8h arbeiten zu gehen hat den Vorteil, dass ich auf einmal viel Zeit habe und so nahm ich mir den SMART im April 2025 vor. Zuerst also erst einmal Fehlerdiagnose, warum es auf Zyl. 1&2 keine Kompression mehr gibt. Damit es einfacher geht, habe ich den Motor komplett ausgebaut und von der Karosserie getrennt. Das sieht dann ungefähr so aus:


Damit’s auch ohne Hebe-Bühne geht habe ich mir extra einen großen 5to Wagenheber angeschafft, der ~50cm Hub hat. Außerdem habe ich mir einen MB WIS Zugang beschafft, um ein WHB zu haben, denn ohne wollte ich nicht anfangen den Motor zu zerlegen. Wobei zerlegen auch ohne WHB ging. Der Zusammenbau sollte nicht ohne WHB geschehen. Der ganze Heckrahmen war sehr rostig und sollte in jedem Fall auch entrostet und neu versiegelt werden. Beim Zerlegen machte ich mir immer wieder ein Foto, was mir beim Wiederzusammenbau half. Nachdem die Ansaugbrücke und AGR Ventil mal draußen war, war mir schon klar, was das Problem nur sein konnte.
Beim Euro5 cdi SMART werden Abgasanteile gekühlt wieder in den Ansaugtrakt zurückgeführt. Ist der Abgaskühler undicht, vermengt sich Kühlwasser in den Luft-Ansaug Strang. Da bei meinem Wagen alles komplett mit Ruß zugesetzt war, lief der Motor trotz undichtem Abgaskühler eine ganze Weile weiter, da Kühlwasser kaum am AGR Ventil vorbeikam. Das wenige Wasser, was es dennoch bis zum Zylinderkopf schaffte, sorgte in Kombination mit dem Ruß dafür, dass die Ventile im Führungsschaft verklebten und sich nicht mehr durch Federkraft zurückbewegen konnten. Das ist die einfache Erklärung zum Problem.
Hier jetzt aber ein paar aussagekräftige Bilder:




Lecker, oder?!
Was keine Werkstatt je gemacht hätte, habe ich dann gemacht. Ich habe alle wiederverwendbaren Teile von Ruß und Dreck befreit, was nachher wieder ordentlich aussah:




Ich schaffte einen Dichtungssatz für den Zylinderkopf an, bei dem auch neue Ventilschaftdichtungen dabei waren.

Beim Zusammenbau, darauf achten, dass die 3 indizierten Injektoren wieder an ihren ursprünglichen Platz verbaut werden. Vorher natürlich alles schön sauber machen.

Dank WHB war das richtige Einstellen der Steuerzeiten ein Kinderspiel.


Bei der Montage vom Zylinderkopf auf das richte Drehmoment achten!

Sehr sehr viel Zeit ging beim Entrosten und neu anstreichen vom Rahmen drauf.




Weil der Simmerring der rechten Antriebswelle auch undicht war, gab’s einen neuen:

Ganz klar war auch, dass ein neuer Abgaskühler, angeschafft für 430€, eingebaut werden musste.

An der Karosserie wurde auch Rost gegen Farbe ersetzt. Außerdem gab’s einen neuen Kraftstofffilter.

Den Motor mit der Karosserie zu vereinigen, sollte man in jedem Fall zu 2t machen.

Nach ~100h Arbeit war es dann endlich so weit. Der Motor konnte zum allerersten Mal nach der Revision erstmalig neu gestartet werden. Damit das ordentlich gelang, gab’s noch eine neue Varta Batterie. Nach etwas längeren Anlasser lauf, lief der Motor dann aber an und ich freute mich erst einmal riesig. Erst jetzt wurden die verbleibenden Teile von Innenraum und Außerverkleidung montiert. Zudem musste bei den Kühlerschläuchen, welche vom Motor zur Karosserie hin angeschlossen werden, mit neuen Schlauchschellen nachgebessert werden.
Am Ende stand der Kleine aber wieder fahrbereit und technisch einwandfrei da. Nicht eine einzige Schraube blieb übrig. Alles was abgebaut wurde, wurde auch wieder angebaut und so blieb am Ende nicht’s übrig. Das war meine 1ste und ich hoffe auch einzige SMART Motorrevision. Sehr viel einfacher ist da so ein luftgekühlter Yamaha SRX 600 Motor, der in ~10h neu gemacht werden kann.

Pünktlich kurz vor Ablauf vom fälligen TÜV meldete ich den Wagen noch auf mich an. Ich hatte noch einen SF31 Vertrag ungenutzt da und so kostet die Haftpflicht für den SMART bei HUK24 lediglich 137€ + ~80€ Steuer im Jahr.
Im Juni 2025 musste der SMART dann zum TÜV, welcher ohne Probleme bestanden wurde. Lediglich die Abgasprüfung musste wiederholt werden, weil die wegen diversen nicht gelöschten Fehlern im Fehlerspeicher fehlgeschlagen ist. Nach dem Löschen aller alten Fehler erfolgte dann die 2te Abgasprüfung einwandfrei.
Jetzt ist Januar 2026 und der Tacho zeigt ~106.000 km auf der Uhr. Etwa 3.000 km sind seither ohne jegliche Vorkommnisse gefahren worden. Der SMART bleibt bei mir, auch wenn ich nur wenig damit fahren werde. So viel Energie steckt in dem 451er und so habe ich ihn auch lieb gewonnen. Für meinen Sohn haben wir als Ersatz einen 2019er Ford Fiesta MK8 mit 1,5L 90PS Diesel, Euro6 Norm ohne Addblue anschaffen können, ein 6 Gang Schalter zwar, aber er hat gelernt damit gut zu fahren.
Für ganz wenig € (20) gab’s noch einen Paulchen Heckträger für 2 Räder. Mit recht viel Aufwand habe ich noch eine LED Beleuchtung (ebay 12€) für den Träger nachgerüstet. Weil die Standard H7 Halogen Birne auch eher funzelig ist, wurden 2 H7 LED Birnen von Philips für’s Abblendlicht nachgerüstet.

Update Januar 2026:
Das Innenlicht ging nicht, weil am Stecker keine 12V ankamen. Ich dachte erst an schlimmeres, konnte aber dank vom SMART Forum das Problem lösen. Innenraumbeleuchtung wird bei meinem 451er über Sicherung an Anschluss R7 der SAM realisiert, wo Dauer 12V anliegen. Bei mir war der Anschluss auf R3 aufgeklemmt, was mir wohl beim Nachlöten der SAM passiert sein musste. Umgeklemmt auf R7…dadaaa…tut.

Das Innenlicht wurde dann auch gleich mal auf deutlich helleres LED umgebaut. Die Leuchtmittel lagen nun schon etliche Jahre herum und bekommen endlich mal was zu tun.

Vorhin habe ich 2 PHILIPS Ultinon Pro6000 HL Boost H7 LED (80€ aus der Bucht, Osram für 120€ war mir zu teuer, auch wenn einfacher zu verbauen) erfolgreich verbaut.
Wichtig, sonst geht’s nicht: Man braucht Geduld und Ruhe. Es sollten sehr gute Lichtverhältnisse sein und nicht zu kalt, wenn’s draußen gemacht werden soll. Der rechte (Beifahrer) lässt sich deutlich einfacher einbauen als der linke auf der Fahrerseite.
Es muss nichts abgebaut werden, auch wenn’s super knifflig ist. Ich habe ohne mich zuvor zu erkundigen, ob und wie es gehen könnte einfach dran gemacht. Nachdem ich kurz nachgeschaut habe, wie denn der Scheinwerfer auszubauen ist, habe ich das verworfen, weil viel zu aufwändig.
Das Leuchtmittel kann nur mit einer Hand eingebaut werden. Für beide Birnen habe ich locker 45min gebraucht, wobei 35min nur für die linke draufgingen.
Jetzt geht’s aber los. Als Erstes macht man den Metallbügel raus, der geht ja nicht über den Kühler. Dann wird geschaut, in welche Richtung die LED Birne in den Sockel kommt und gemerkt. Der Metallbügel wird nun um die LED Birne gelegt und dann gemeinsam in den Sockel eingeführt. Mit einer Hand wird jetzt erst der untere Haken (links blind ertastend, rechts sieht man gut hin) eingefädelt und dann der obere Haken vom Bügelverschluss. Jetzt kann der Bügel ordnungsgemäß geschlossen werden.
Ich würde nächstes Mal rechts anfangen, da gehts einfacher und man kann etwas üben. Die Gummiabdackkappe passt einwandfrei mit dem Kühler und hat innen noch ca. 4-5mm Luft.
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