
Ich mag überhaupt keine Hotelurlaube. Campingplatz ist aber auch nicht unbedingt mein Ding und schon gar nicht, wenn man dicht an dicht eng aneinander stehen muss. Am liebsten mache ich Urlaube, die nur ganz grob als Richtung geplant sind und ich entscheiden kann, ob ich bleibe oder weiter reise. Ein Mix aus ein paar Nächten im Camper und FeWo spontan gebucht ist mir am allerliebsten.
Anfang 2024 kristallisierte sich heraus, dass mein AG ein sogenanntes Vorruhestands und Freiwilligenprogramm für/ab 2025 anbieten wird. Ich bin ein 68er und da ich seit 1986 ohne Fehlzeiten in die Rentenkasse einzahle, kann ich Mitte 2033 abschlagsfrei mit 65 in Rente gehen. Ich habe mich bereits seit einigen Jahren darauf vorbereitet und größere Teile vom Gehalt, vor allem alle Bonuszahlungen, in ein Arbeitszeitkonto umgewandelt, mit dem Ziel spätestens mit 60, also 5 Jahre vor Rentenbeginn, in den Vorruhestand zu gehen. Die Zeit bis zur Rente würde ich mein Arbeitszeitkonto abbauen und bis Rentenbeginn noch ganz normal mein Gehalt bekommen. Durch das vom AG angebotene Programm bekam ich für 27 Jahre Betriebszugehörigkeit eine entsprechende Sonderzahlung, welche zu 50% noch in den Topf für Arbeitszeitkonto einfloss, damit ich schon mit fast 57 in den Vorruhestand gehen konnte. Die anderen 50 % ließ ich mir auszahlen und mit der 5tel-Regelung versteuern. Vom Nettoerlös der Sonderzahlung sollte ein Camper bzw. Wohnmobil angeschafft werden. So zur Vorgeschichte.
Nachdem der Aufhebungsvertrag unterzeichnet war, schaute ich mich am Wohnmobilmarkt um, was denn in überhaupt für mich infrage kommen könnte. Am liebsten wäre mir das aufblasbare PKW-große Wohnmobil, was es natürlich nicht gibt und so blieb ich immer wieder bei einem Volkswagen T6.1 Ocean hängen. Der sollte aber am liebsten neuwertig in 150PS als 6gang Handschalter mit zuschaltbaren 4Motion daherkommen. Davon gab es nur sehr wenige Angebote ab 80.000 €. Puhhh, sehr viel Geld. Sehr gut gefallen hätte mir auch ein Westfalia Kepler oder Jules Verne auf MB Basis, die aber auch allesamt neuwertig recht teuer gehandelt werden.
Im November 2024 wurde ich dann doch mit einem zu mir passenden Fahrzeug fündig. Ein 2021er Pössl Campstar auf Vito Basis in kleinster Motorisierung (136PS) mit wenig km sollte es werden. Es handelte sich um ein Mietfahrzeug, dass wieder abgestoßen werden sollte. Der hatte alles, was ich mir wünschte: AHK, Standheizung, Hubdach, 9gang Automatic. ~50.000€ sollte der kosten, womit ich einverstanden war. Dennoch schaute ich weiter nach ähnlichen Angeboten bei anderen Händlern. Endlich gab es MEINEN Campstar. Ein Händler in Celle hatte wohl im Abverkauf 4 dieser MB Campstar auf V-Klasse! Basis auf dem Hof stehen, die schnell verkauft werden sollten. Ich glaube, dass die 4 Wagen in nur 1 oder 2 Tagen auch alle verkauft wurden. Einen davon schnappte ich mir. Es ist ein silber-metallic V250D 4matic in einfacher Ausstattung. Immerhin aber eine V-Klasse und kein deutlich einfacherer Vito. Der Wagen lief im September 2021 bei MB vom Band, wurde im Mai 2022 bei Pössl zum Campstar umgebaut und für einen Tag am 20.06.2023 Tages zugelassen. Offensichtlich waren die Zeiten, dass alle einen Camper wollen vorbei und so fand sich kein Käufer für etliche dieser kleinen Camper Van’s. Der Wagen wurde mir dann für unglaubliche 56.000 € verkauft. Das ist zwar immer noch viel Geld, aber es war eine faktisch neue Allrad V-Klasse mit 190PS als Camper, ganz ähnlich zum VW Califonia Ocean, umgebaut. Es fehlten zwar eine AHK, die ich später selber günstig nachrüstete, und die Standheizung, was bei dem Preis dennoch gut zu vernachlässigen ist.
Am 24.01. war es dann endlich so weit, mein Campstar ist zu Hause angekommen, nachdem ich zuvor das Fahrzeug in Mannheim abholen konnte.


Jetzt, wo ich diese Zeile schreibe, haben wir schon Januar 2026 und ich habe mit dem tollen Wagen mit nunmehr 16.000 km schon ganz viel erlebt und auch umgebaut bzw. für meine Bedürfnisse optimiert.
So war ich mit Freundin im Juni 3 Wochen in Korsika, mit Sohn im August 2 Wochen an der Ostsee, alleine Anfang Oktober für 2 Wochen in Italien bis Amalfi und dann gleich noch einmal für fast 4 Wochen den ganzen November in Sizilien. Der Dackel ist natürlich immer mit dabei.
Die Sitzbank hinten ist raus, weil total unpraktisch. Da habe ich mir aus Pappelsperrholz eine super leichte Längst-Liege gebaut, die sich auch für 2 Personen verbreitern lässt. Das Tolle an dem Wagen ist, dass man auch alleine ganz unauffällig unten übernachten kann, was zum Beispiel in Ortschaften oder wo explizit übernachten verboten ist, trotzdem sein Lager aufschlagen kann.

Damit ich auch in etwa die Kosten rund um’s Fahrzeug etwas im Auge behalte, erstelle ich mir gerne eine entsprechende Tabelle, die immer wieder angepasst wird.

Ganz besonders zufrieden bin ich mit den nötigen Energiekosten für Diesel. Nach 16.400 gefahrenen km habe ich einen Verbrauch von 7,2L/100km. Das ist erstaunlich wenig für so einen schweren Brocken.
Da meine Garage zu klein für den Camper wäre und sowieso voll mit anderen Sachen ist, habe ich einen Carport im Garten gebaut, wo bei Nichtnutzung der Wagen gut aufgehoben steht.

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