1988 – Skoda S100

Leider habe ich kein Originalfoto von diesem Auto. Das erste eigene Auto, welches ich mir anno 1988 anschaffte… dummerweise hatte ich damals noch nicht einmal einen Autoführerschein. Nur Motorrad durfte ich mit meinen „Fleppen“, wie man seinerzeit auch dazu sagte, fahren.

Trotzdem gibt es dazu eine Anekdote zu erzählen:

1988 leistete ich noch meinen Wehrdienst bei der NVA ab und ich hatte meinen Wohnsitz in Berlin Prenzlauer Berg Rykestraße. Mein Vater lebte mit seiner Freundin auch dort und hatte seinen alten Skoda S100 auf der Straße stehen. Der Wagen war nicht fahrbereit. Der Zylinderkopf lag hinten auf der Rücksitzbank ausgebaut. Ich kann mich nicht mehr an die Details erinnern, jedenfalls verkaufte er mir die Karre für 1000 Ostmark. Ich nehme an, er hat die Kohle seinerzeit gebraucht und kein schlechtes Gewissen mir diesen Haufen Schrott zu verkaufen. Gut kann ich mich aber noch daran erinnern, wie ich den Motor bei Kälte ausbaute und auf einem Schlitten in den Keller manövrierte. Dort angekommen, baute ich KW und Kolben aus und machte die Kolbenringe erst mal wieder gängig, weil die in den Kolbennuten fest gegammelt waren. Den Zylinderkopf baute ich mit der alten Dichtung wieder darauf, die ich aber zuvor mit einem Motordichtmittel behandelte. Wie ich es schaffte, ohne detaillierte Kenntnisse die Steuerkette richtig einzubauen, weiß ich nicht mehr. Ich hatte seinerzeit auch nur einfachstes Werkzeug und kaum Schrauber-Erfahrung. Ein 2Taktmotor einer MZ oder Simson ist jedenfalls nicht mit einem komplexen 4-Takt-Motor zu vergleichen, auch wenn heute über die Technik von damals nur müde gelächelt werden kann. Kaum zu glauben, jedenfalls gelang es den Skoda nach erledigter Arbeit wieder zu starten und es schien alles zu funktionieren. Da ich seinerzeit meistens nicht in Berlin war und am NVA Standort in Brandenburg untergebracht war, freute sich mein Vater riesig wieder einen fahrbaren Untersatz zu haben, den er dann auch für sich nutzte. Es muss so um kurz vor Heiligabend 1988 gewesen sein, als ich wieder in Berlin war, der Skoda S100 aber nicht vor dem Haus stand. Mein Vater erklärte mir, der Wagen wäre in einer Werkstatt zur Reparatur, was ich ihm erst einmal glauben wollte. Umso erstaunter war ich aber, so dreist angelogen worden zu sein, da der Wagen ein paar Straßen weiter geparkt von mir entdeckt wurde. Da war ich schon sehr enttäuscht von ihm. Ich schnappte mir den Autoschlüssel und fuhr gänzlich ohne Auto-Fahr-Erfahrung an Heiligabend 1988 zu meiner Mutter, die seinerzeit in Ludwigsfelde wohnte. Der Ort, in dem ich auch meine Kindheit verbrachte. Ich kann mich noch gut erinnern, wie aufgeregt ich war und fabrizierte beinahe, weil es regnete und die Sicht auch schlecht war, direkt an der ersten Kreuzung einen Unfall durch Nehmen der Vorfahrt. Puhhhh…noch mal Glück gehabt. Der Rest der Fahrt ging gut und ich und der Skoda kamen heile in Ludwigsfelde an. Ab dann war auch der Kontakt zu meinem Vater zu ziemlich abgebrochen, was sich auch nicht mehr verbesserte. Gänzlich verspielt hatte er bei mir, als er im Sommer 1989 aus meiner Wohnung meine Ost HiFi Anlage entwendete und wegen Geldmangel wohl verschleuderte, um über Ungarn in den Westen abzuhauen. Seine Freundin ließ er seinerzeit unwissend und todunglücklich einfach zurück. Ein leider unverzeihliches Verhalten, was er nie zu rechtfertigen/entschuldigen versuchte, bis er dann einsam Anfang 1991 an einer mir unbekannten Krankheit verstarb. Als letzte Ehre, daran erinnere ich mich noch genau, finanzierte ich noch für seine sterblichen Überreste eine Beerdigung und Grabstätte, um der anonymen Bestattung zu entgehen.

Doch was wurde aus dem Skoda S100? Auch daran erinnere ich mich auch noch ganz gut an einzelne Details, die ich hier festhalten will. In der Tageszeitung wurden auch gebrauchte Autoteile inseriert. So benötigte der Skoda neue Schweller und Kotflügel vorne, weil die z.T. durchgerostet waren. Die beschaffte ich noch und weil ich ja sowieso immer noch keinen Autoführerschein besaß und meistens in der Kaserne untergebracht war, einigte ich mich mit meinem Bruder, dass er den Skoda nutzen könne und dafür aber auch richten solle, was er auch tat. Am Ende war der Skoda dann neu rot lackiert und ein richtiges Schmuckstück. Dafür fuhr er aber auch im Grunde ausschließlich mit dem Wagen bis anno 1990 als ihm bei der Reise in den Westteil der Republik auf der Autobahn eines der Pleuel abriss und seitlich aus dem Motor schaute. Soweit ich weiß, wurde der Wagen dann an seinen ehemaligen Klassenkameraden verscherbelt.

Außer diesen Erinnerungen ist mir von meinem 1sten Auto, was ich irgendwie mein Eigen nennen durfte, aber nie besessen/genutzt habe, nicht viel geblieben. Seinerzeit eher mit Enttäuschungen als mit Freude am Fahrzeug verbunden. Es gab sie aber auch, Momente großer Freude mit meinem Skoda S100.